Category: Blog

  • Märklin-Sammlung

    Die Fotos sind aus Einzelbildern zusammengesetzt und mit 150dpi hinreichend gut zu zoomen um so einen ersten Eindruck zu erhalten.

    Die Vitrinen selbst können gerne übernommen werden. Die Sammlung steht in Grafrath, westlich München.

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    Schilder 01-07 lesbar (ZIP)

  • Laborunfall, Tatortreinigung

    Lesehinweis für Ludditen wie Muskoviten:

    Karafillidis, A. (2026, April). Containment eines Laborunfalls. Merkur, (923), 36–47. https://www.merkur-zeitschrift.de/artikel/containment-eines-laborunfalls-a-mr-80-4-36/

    Athanasios Karafillidis ist KI-Manager der Stadt Dortmund und Soziologe, was zweifellos kompetenter ist als nur eines der beiden zu sein. Er pointiert in seinem Essay, die Resultate des einwandfreien Funktionierens von genAI seien maschinenhaft systematisch wie kumulativ sowie in ihrer Kausalität unzuverlässig. LLMs seien weder Automaten noch könnten sie welche werden, da die Technologie das nicht vorsähe. Schneller seien sie wohl, »aber im Gegensatz zu Menschen können sie ihre manchmal eklatanten, manchmal äußerst subtilen, kaum erkennbaren systematischen Fehler immerhin massenhaft in verschiedensten Varianten produzieren, sie global überzeugend und vielsprachig verbreiten und auf diese Weise dann verstetigen.« Da LLMs nicht automatisch lernen, was sie falsch machen, bahne sich ein soziales Problem an.

    Diese Proliferation, das Verstetigen von Unschärfen und Fehlern wird um Größenordnungen hartnäckiger zu lösen sein als die nicht gerade kleinen technischen Probleme. Ist, was hängenbleibt, slop oder wahr, enshittification oder korrekt?

    (selbst gelesen, halbwegs verstanden und ohne AI auch geschrieben)

  • zwei linke

    Zwei linke Füße hat Goethe auf dem Gemälde von Tischbein. Einmal gesehen kann man das nie wieder un-sehen.

    Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1778, Goethe in der Campagna

  • »nobody has any idea what the world will look like in 10 years (…) enjoy the ride«

    In der NYT sagte der Historiker Yuval Noah Harari:

    This is the first time in history nobody has any idea what the world will look like in 10 years — what the job market will look like, what social relations will look like, et cetera. So hedge your bets. Don’t focus on a narrow subject like coding. Give equal importance to your head (intellectual skills), your heart (social skills) and your hands (motor skills). It is in the combination of these three that humans still have a large advantage over A.I.
    Also, try to enjoy the ride.

    Na gut, er sagte versuch’ es zu geniessen. Fällt schwer.

  • Hey there, enshittification! Say hello to spreaded benefits.

    … bevor es zu spät ist.

    Ahnt Satya Nadella schon, dass die AI-proliferation über LLM chatbots nicht reichen könnte um beständiges Wachstum zu gewährleisten?

    Am 20.1.26 in Davos zitiert die Financial Times den Microsoft-Chef mit der Warnung, der AI-Boom könnte zusammenschnurren wenn nicht flugs noch viel viel mehr Menschen zu (zahlenden) Nutzern würden. Im Originalzitat ‘For this not to be a bubble by definition, it requires that the benefits of this are much more evenly spread’

    Man kann diesen klugen Satz nuancierter interpretieren:
    Damit dies (= die künstliche Intelligenz) nicht per Definition eine Blase ist (= assets steigen massiv über ihren wahren Wert), müssen die Vorteile (= die es objektiv gibt) viel gleichmäßiger verteilt (= ah! … heute ist der Nutzen auf einzelne Marktteilnehmer geklumpt? Und so auch das Risiko) werden.

    Das erinnert streng an enshittification

    Here is how platforms die: first, they are good to their users; then they abuse their users to make things better for their business customers; finally, they abuse those business customers to claw back all the value for themselves. Then, they die.

    Gemeint war 2023 TicToc. Cory Doctorow schien enshittification als unvermeidbare Konsequenz wenn eine Plattform zwischen Kunden/Nutzern und Verkäufern steht.

    Was steht hier zwischen Nutzern und Verkäufern?

    Ignoranz, Gier, Hybris. Mansplaining.

  • »Dlanod Pmurt, dessen Namen man nur rückwärts aussprechen sollte«

    weil … »Es gibt einen alten steiermärkischen Zauber, der bewirkt, dass Menschen, deren Namen man rückwärts ausspricht, am Karfreitag in der Stiftsbibliothek Admont verschwinden, auch wenn sie nie dort gewesen sind.«

    CC BY-SA 4.0

    Das wären dann 71 Tage ab heute. Wochenende- und Feiertage eingeschlossen weil um jene sich der, dessen Namen ab sofort nur mehr rückwärts ausgesprochen wird, nicht schert. Dlanod Pmurt. Dlanod Pmurt. Dlanod Pmurt. Dlanod Pmurt. Dlanod Pmurt.

    Schwupp, weg. Es kann so einfach sein.

    1a scoop der SZ, Streiflicht, 23.1.26.

  • Parzinnspitze (2613m) über Hanauer Hütte

    #hüttentour

    schwierig · 8,5h · 1350 Hm · 14 km

    2h Anfahrt mit dem Auto, ÖPNV bis Reutte AT dauert ab München vermutlich nicht unter 3h

    Anspruchsvolle Tour mit II-er Kraxelanteilen im teils brüchigen Fels. Bei stabilem Wetter und guter Sicht besser, Orientierung bei Nebel schwierig. Als Zweitagestour angenehmer: Anfahrt nachmittags, Zustieg Hanauer Hütte (DAV), Übernachtung. Am zweiten Tag Aufstieg und auf demselben Weg zurück zum Start und Rückfahrt.

    ÖPNV: Bahn bis Reutte/AT, per Bus bis Elmen/Lechtal, trampen nach Boden. Busverbindungen auf der Hahntennjochstraße sind rar, ein Wanderbus selten

    Start ab Elmen (976 m) bzw. Boden – Wanderparkplatz (3€/Tag 2025)

    Screenshot

    Forstweg bis Materialseilbahn (bis zu der MTBs gut fahren können) → stufiger, steilerer Zustieg zur Hanauer Hütte 1,5h → Weg 621 zum Gufelseejöchl 1h → Trittspuren folgen zur Parzinnscharte 0,5h → oberhalb des dann sichtbaren Gufelsees links über Geröllschütte nach Süden halten → über eine schuttbeladene Schlucht den Einstieg zum Normalweg erahnen → 1h durch Rinnen zum Grat und weiter zum zerklüfteten Gipfel (II-er Passagen) · Route spärlich markiert: auf Steinmänner achten

    Anfang Juli kippte das Wetter mit aufziehendem Nebel. Der Gipfel ohne Sicht im nicht markierten Zustieg war (mir) zu riskant und ich stieg unter die Wolkendecke ab.

    Start Forstweg
    Links oben steht die Hanauer Hütte
    Zustieg Parzinnspitze · oberhalb Hanauer Hütte
    Aufstieg zur Parzinnscharte, Gegenrichtung
    Parzinnscharte · Blickrichtung südlich zur Parzinnspitze
    überraschter als ich
    aus einer der Rinnen hinunter gesehen
    oberhalb des Gufelsees nach Westen
    Parzinnalpe
    Links die Parzinnspitze · Sicht aus dem Kessel beim Abstieg

  • Happy Birthday, enshittification!

    Heute vor drei Jahren hat Cory Doctorow enshittification als Begriff gesetzt:

    Here is how platforms die: first, they are good to their users; then they abuse their users to make things better for their business customers; finally, they abuse those business customers to claw back all the value for themselves. Then, they die.

    Gemeint war 2023 TicToc. Es schien ihm als unvermeidbare Konsequenz wenn eine Plattform zwischen Kunden/Nutzern und Verkäufern steht.

  • AI als narzisstische Kränkung

    Meine ganze Erfahrung, das Erlebte, Gelernte, Erprobte ebenso wie alles falsch begonnene, unrichtig geschlossene und schummrige Entscheidungen, all das wird durch wenige Interaktionen mit einem x-beliebigen LLM gering gemacht bis zum Verschwinden. Ich hoffe dann, dass niemand das bemerkt. Doch tatsächlich geht es allen anderen Menschen ebenso. Wir sprechen nur nicht darüber und schauen uns in die Augen dabei. Je älter ich werde (ich wurde sechzig, das war surreal genug) um so weniger sicher bin ich mir in meinen vorsichtigeren Beobachtungen, Einschätzungen und Prognosen. Um so mehr ich zu verstehen versuche, um so geringer wird die Sicherheit die Dinge zu sehen wie sie sind. Dann sehe ich nach, was dazu, zur narzisstischen Kränkung und AI, schon geschrieben ist: wieder ist es nicht originär, nicht ‘von mir’, soeben erfunden sondern längst zigfach repliziert. Das wusste ich nicht.

    Dabei ist es unerheblich, ob die Antworten der Maschinen wahr sind oder nicht. Dass sie halbwegs plausibel antworten und auch die Scheinwahrheit plausibel formulieren ist uns allen voraus.

  • Haltung macht Ergebnisse?

    … so scheint es, wenigstens für politisch bedeutsame Forschungsfragen. Die Wahl statistischer Instrumente und die Interpretation von Ergebnissen scheint einem experimenter bias zu unterliegen. 158 Forschende in 71 Gruppen sollten auf Basis derselben Rohdaten die Hypothese “Beeinflusst Einwanderung die öffentliche Unterstützung von Sozialhilfeprogrammen?” mithilfe statistischer Instrumente prüfen. Bei gleichen Daten sollten alle Ergebnisse in die gleiche Richtung weisen, möchte man meinen. Tatsächlich aber schwankten die Interpretationen zwischen stark negativ bis stark positivem Zusammenhängen. Wie kann das sein, eklatant verschiedene Interpretationen bei gleichen Rohdaten?

    Borjas & Preznau stellen in ihren Korrelationen fest, dass Forschungsgruppen mit positiver Einstellung zu Einwanderung eher positive Effekte fanden und einwanderungskritische eher negative. Die Unterschiede in den Korrelationen entstünden, weil verschiedene Teams unterschiedliche statistische Modelle fachlich korrekt verwendeten. Die Auswahl der Methoden geschah scheinbar jeweils passend zur eigenen Haltung und im impliziten Wissen um den twist, den die Wahl der Methode auf das Ergebnis haben würde.

    Borjas, G. J., & Breznau, N. (2026). Ideological bias in the production of research findings. Science Advances12(1), eadz7173. https://doi.org/10.1126/sciadv.adz7173

    Aufmerksam darauf machte Sebastian Herrmann in der SZ am 16.1.26 im Wissen, S. 12 “Ein Datensatz und viele Ergebnisse: Die Einstellung der Forscher beeinflusst Studien, selbst wenn sie korrekt arbeiten.”

  • Von grauenhaft bis exzellent: was Wörter meinen

    Die Spannweite verbaler Gradierung ist so erstaunlich wie die zarteren Signale darin. In einem früheren Beitrag Sehr vielleichtig! ging es um die Entsprechungen numerischer Wahrscheinlichkeiten zu verbalen Begriffen. Also: was genau meinen wir mit unscharfen Wahrscheinlichkeitsbegriffen wie ‘möglicherweise’, welchem Zahlenwert entspricht diese Einschätzung?

    Ähnlich fragte eine YouGov-Studie 2018 die Bandbreite positiver wie negativer Adjektive ab. Die Frage dieser sentiment-Analyse an die Probanden war “Wie meinen Sie auf einer Skala von 0 (sehr negativ) bis 10 (sehr positiv) die folgenden Begriffe, wenn Sie diese verwenden um einer anderen Person etwas beschreiben sollen?”

    Hier die Ergebnisse aus UK, beschrieben via Information is beautiful:

    Ergebnisse für UK 2018

    Das Ergebnis für UK unterscheidet sich vom US-amerikanischen. Dort sei die Differenzierung im Mittelbau dünner, heisst es in der Interpretation.

    US-Ergebnisse, Okt 2018

    Das mieseste grading in den USA ist ‘very bad’ und kommt schlagartig bekannt vor: der orange Clowndarsteller verwendet es gerne und häufig für Diffamierungen aller Art.

  • Sachrang, Geigelstein

    #hüttentour #öpnv

    Die Priener Hütte oberhalb Sachrang ist eine der wenigen im Winter bewirtschafteten und zudem Start einer zehn Kilometer Rodelbahn (Schlitten: 10€ Leihgebühr) die Forststrasse hinunter nach Sachrang. Bei wenig Schnee und bevor ab etwa 10:00 winters die Sonne den Kessel erwärmt, ist der Aufstieg auf den Geigelstein (1808 m) wie eine lange Harschtreppe. Zu spät zurück wird es sulziger und mühsamer.

    Vom Geigelstein nach Süden, rechts der Wilde Kaiser, Nordseite · 18.1.26

    Bei widriger Schneelage ist der Blick von der Terrasse der Priener Hütte (1410 m) auf den Wilden Kaiser, das Rofan und ins weitere Karwendel ausreichen Lohn.

    Nordkante der Fönwalze, Kitzsteinhorn mit Sender links · 18.1.26

    Aufstieg von der Bushaltestelle Sachrang Ort über die Bundesstrasse 2093 die Forststraße hinauf. Den an Wochenendvormittagen wegen der Talloipe schnell überfüllten Parkplatz queren. Den gelben Schildern nach. Kleine Abkürzungen schneiden gelegentlich Kurven ab. Es zieht sich ein länglicher Forstweg hinauf. Nach steilerer Rampe geht es hinauf in die große Mulde zur schon sichtbaren Priener Hütte. Abstieg wie Aufstieg. Oder ein Höllenritt mit dem ausgeliehenen Schlitten.

    ↑↓ 680 hm · 13 km · 4h · DAV-Hütte, Übernachtung für 50 Personen, 80 Schlitten werden mit dem Skidoo zirkuliert

    Wildschutzgebiete winters unbedingt beachten.

    Zuvor erkundigen, ob und wie gut die Schlittenbahn geht. Grödeln sind hilfreich.

    Ab München BRB RE 5 nach Bernau am Chiemsee → RVO 482 bis Sachrang Ort. Erste Fahrt am Wochenende 06:55 Uhr, Rückfahrt bis 14:44 Uhr. Dauer 2h einfach.

  • Vergangenheit verwalten

    … in diesem Alter sei sie doch, die 88-jährige, fragt der ZEIT-Reporter. Eine Frechheit einerseits, andererseits eine richtige Beobachtung. Ohne neue Tätigkeiten bleibt im zunehmenden Alter die Verwaltung des Gewesenen. Oder man hört mit dem Neugierig sein nicht auf. Helga Nowotny ist emeritierte Professorin der ETH Zürich und Vorständin des Europäischen Forschungsrats.

  • „AI ist das Asbest in den Wänden unserer technologischen Gesellschaft“

    Flipboard Tech Desk@TechDesk@flipboard.social

    “In automation theory, a ‘centaur’ is a person who is assisted by a machine. You’re a human head being carried around on a tireless robot body. Driving a car makes you a centaur, and so does using autocomplete. And obviously, a reverse centaur is a machine head on a human body, a person who is serving as a squishy meat appendage for an uncaring machine.” Start the New Year right by reading the transcript of @pluralistic‘s lecture for the University of Washington, a preview of his upcoming book about his thoughts on AI, and how to be a good AI critic. “AI is the asbestos in the walls of our technological society, stuffed there with wild abandon by a finance sector and tech monopolists run amok. We will be excavating it for a generation or more.”

    https://flip.it/B1emjI
    Fediverse Reactions
  • Zombies löschen!

    Ich habe entdeckt, dass es bei LinkedIn einfach möglich ist, Personen zu löschen. Das war zuerst gar nicht so einfach weil das UI so grausig schlecht ist. Dann ging es leicht. In mehrerlei Hinsicht ist das eine angenehm lohnende Tätigkeit. Es werden Anlässe weniger, sich über ungefragte Äusserungen in einem ohnehin schon slop-verseuchten feed zu ärgern, über die zu ärgern an sich schon ärgerlich ist, also ÄrgerÄrger. Wenn man bei Sinnen bleiben will, dann soll der Groll einfach weiterziehen wie man beim Meditieren erlernt, an herbeiströmende Gedanken ein Label zu hängen und sie leichterdings gehen zu lassen. Mit der erdrückenden Mehrheit der Personen besteht zudem keinerlei Beziehung im Sinne von: man interessiert sich füreinander, erfragt sporadisch wie es der anderen Person geht, was sie macht oder unterlässt oder wie sie in die Welt hineinschaut und was für sie bedeutsam ist oder irrelevant. Bei weniger als zehn Prozent dieser Zombies kann ich herleiten, wie und wann, in welcher Lebensphase, in welchem vielleicht doch bedeutsamen Kontext es zu einem Kontakt, dem Austausch von Meinungen oder Informationen kam. Oder ob es asymetrische Kommunikationsanbahnungen waren (Personen kennen einander nicht, sind von LinkedIn dennoch irgendwie anlasslos verbandelt). Oder ob überhaupt jemals Kommunikation geschah. Diese Personen sind also Phantome, Geister! Weshalb Aufmerksamkeit auf Zombies verwenden? Das geschieht ja nur weil LinkedIn meint, man sei an den kontextlosen Äusserungen Unbekannter interessiert und das sei dann social. Ist es aber nicht. Es ist nicht einmal para- oder pseudosozial sondern Verschwendung von Bewusstsein. Das Löschen macht Freude! Auch, weil man den ‘Kontakt’ auch komplett löschen kann. Eine völlig rückstandsfreie, willentliche Klickamnesie. Nach ein paar Dutzend eliminierter Zombies presst der Algorithmus immer neuen suggestions in den slop stream. Blöd wird man sein, diese Neozombies zu klicken.

  • Söder und Wagenknecht sind ähnlich.

    Beide waren zu Gast bei Hotel Matze. Und beide schafften es in jeweils mehr als einer Stunde Gespräch, nichts Authentisches zu sagen. Nichts, was man nicht schon ahnte. Beide dominierten den zugewandt-freundlichen Moderator ohne dass sie das hätten tun müssen und puderten ihre Egos.

    Beide Folgen, im Vorurteil bestätigt, abgebrochen.

  • der letzte Strauß vom Acker …

    … ist das sichere Zeichen, dass nichts den Herbst mehr stoppen kann. Auch irgendwie schön. Sommer ist schöner.

  • Wenn AI eine Blase ist — wofür werden dann die mächtigen Rechenzentren eingesetzt, wenn sie geplatzt ist?

    Gary Marcus nennt espeak bubble“, The Atlantic sieht die Möglichkeitdass wir derzeit eine KI-Blase erleben, in der die Begeisterung der Anleger den kurzfristigen Produktivitätsvorteilen der Technologie zu weit voraus ist. Wenn diese Blase platzt, könnte sie den dotcom-Absturz in den Schatten stellen” — worunter dann nicht nur die tech bros und Fans leiden würden. Und der Economist befürchtet, dass “die potenziellen Kosten (eines crash) in alarmierende Höhen schiessen“. Emsig-kluge Menschen wie Azeem Azhar und Nathan Warren tragen diese Beobachtungen zusammen, so dass wir das nicht selbst tun müssen.

    Und wenn the bubble nicht platzt: wie werden Aufwand und Betrieb refinanziert? Und woher kommt der Strom dafür? McKinsey prognostiziert, dass bis 2030 atemberaubende 156 Gigawatt, das ist die kombinierte Netzkapazität von Spanien plus Portugal, für 5-8 Billionen Dollar hinzugebaut werden muss. Also neben der Dekarbonisierung. In den USA kann ein Drittel des Bruttosozialproduktes auf den Bau von Rechenzentren zurückgeführt werden. Und OpenAI, die 2024 13 Mrd USD Erlöse machten, sehen sich 2030 bei 200 Mrd. Das sieht aus wie ein sich selbst verstärkendes System. Denn allein für die computing cost sollen in den gleichen 5 Jahren bis 2030 150 Mrd USD verwendet werden. Gary Marcus schliesst messerscharf, dass eine verdreizehnfachung der Erlöse in fünf Jahren kaum durch Schüler entsteht, die chatty ihre Hausaufgaben machen lassen. Also sollten es die großen Unternehmen sein, die das Geld bringen. Bei den amerikanischen aber sinken die AI-Ausgaben in den letzten zwei Monaten statt zu steigen.

    Ich verstehe das alles nicht mehr.

    Die Zahlen und Prognosen flirren.

  • Voer eenden geen brood, daarvan gaan ze dood

    eine Zeichnung einer Ente in einer Gleichung mit symbolischem Brot. Die Ente  auf der Ergebnisseite der Gleichung steht kopfüber. Das soll sagen: Ententeich sterben, wenn sie Brot fressen.
    sehr gutes Schild des Gründienstes der Stadt Gent.
  • »The Job Market Is Hell«

    schreibt THE ATLANTIC am 8.9.25.

    Young people are using ChatGPT to write their applications; HR is using AI to read them; no one is getting hired.

    Auch die alten Leute, die älteren, die nicht-mehr-so-jungen. Also jene, die den fabulierten ‘Fachkräftemangel’ beheben helfen könnten.

    He applied to 200 jobs. He got rejected 200 times. Actually, he clarified, he “didn’t get rejected 200 times.” A lot of businesses never responded.

    Das ist dann applicant ghosting: die Missachtung jener Höflichkeiten, die im Kartenhaus des employer branding mühselig aufgebaut wurden.

    What Bumble and Hinge did to the dating market, contemporary human-resources practices have done to the job market. People are swiping like crazy and getting nothing back.

    23-60% höher ist die Chance mit einer Bewerbung shortlisted zu werden, wenn man die eigene Bewerbung mit der gleichen AI schreibt, die auch das Unternehmen zur Filterung verwendet. Wie das herauszufinden ist, bleibt ein methodisches Rätsel.

    Schraubensäcke masturbieren sich gegenseitig.

  • Kapitel aufschlagen und weitere Lebenslügen

    Auf LinkedIn, wo angeblich die meisten Posts von AI verfasst sind, werden zu Monatsenden regelmässig ‘neue Kapitel’ aufgeschlagen, erfüllende Zusammenarbeiten belobigt und grossartige Lernreisen testiert. Tatsächlich sind das meist sublim weinerliche Abschiedspostkarten von Personen, die mit oder ohne Abfindung mehr oder weniger gekündigt wurden. Die Organisation entledigte sich eines Mitgliedes, das darf sie. Das muss sie sogar, wenn keine probateren Mittel bleiben. Die Abschiedsgrüße sind also mitnichten adressiert an die Verbleibenden Ex-Kollegen sondern an die unbekannt neue Organisation, an das nächste Unternehmen, dass die Geschassten aufnehmen wird. Die Nennung ausgewählter LinkedIn-handles benennt natürlich nicht nur die Gemeinten sondern gibt dem Algorithmus Grund für Verbreitung. Weshalb also macht man das, anstatt als nun frühpensionierter thought leader still und aufrecht mit dem Karton persönlicher Gegenstände im Arm das Gelände zu verlassen? Um digitale Spuren zu hinterlassen und eine ‘Reise’ zu stipulieren. Auf Reisen kann einiges schief gehen, klar. Bei den meisten Reisen weiss man hingegen ganz genau, wohin es gehen soll. Bei der beruflichen angeblich auch. Doch das ist ebenso verlogen wie die zugrunde liegende Lebenslüge, man könne Leben wie Arbeitsbiografien planen oder Unternehmen hätten ein familiengleiches ‘wir’. Das haben nur die Zurückbleibenden.

  • Unsere biases stecken in der AI

    Ein paper liefert Indizien, dass AI über soziodemografische cues unethische Entscheidungen in medizinischen Therapien ausgibt. Das hiesse, unsere menschlichen biases oder strukturellen Denkfehler stecken unverändert im trainierten LLM Korpus. Zusammen mit der Tendenz zum gefälligen Mittelwert sollte das größere Sorgen machen. Ich weiss nur nicht, wie man das experimentell sauber prüfen könnte?

    Unaufwändig finden sich schubweise weitere papers, die Ähnliches feststellen:

    Sorin, V., Korfiatis, P., Collins, J. D., Apakama, D., Omar, M., Glicksberg, B. S., Yeow, M.-E., Brandeland, M., Nadkarni, G. N., & Klang, E. (2025). Socio-Demographic Modifiers Shape Large Language Models’ Ethical Decisions. Journal of Healthcare Informatics Researchhttps://doi.org/10.1007/s41666-025-00211-x

    Omar, M., Soffer, S., Agbareia, R., Bragazzi, N. L., Apakama, D. U., Horowitz, C. R., Charney, A. W., Freeman, R., Kummer, B., Glicksberg, B. S., Nadkarni, G. N., & Klang, E. (2025). Sociodemographic biases in medical decision making by large language models. Nature Medicine31(6), 1873–1881. https://doi.org/10.1038/s41591-025-03626-6

    Liu, C., Zheng, J., Liu, Y., Wang, X., Zhang, Y., Fu, Q., Yu, W., Yu, T., Jiang, W., Wang, D., & Liu, C. (2025). Potential to perpetuate social biases in health care by Chinese large language models: A model evaluation study. International Journal for Equity in Health24(1), 206. https://doi.org/10.1186/s12939-025-02581-5

    Ji, Y., Ma, W., Sivarajkumar, S., Zhang, H., Sadhu, E. M., Li, Z., Wu, X., Visweswaran, S., & Wang, Y. (2025). Mitigating the risk of health inequity exacerbated by large language models. Npj Digital Medicine8(1), 246. https://doi.org/10.1038/s41746-025-01576-4

  • Die Bartleby-Strategie

    Herman Melville hat nach der Geschichte des irren Kapitän Ahab und seiner Obsession mit dem Wal Moby Dick 1853 »Bartleby der Schreiber« verfasst. In einer Anwaltskanzlei übernimmt dieser fleissig und still mühselige Arbeiten und leistet gut. Irgendwann verweigert er mit dem Satz »ich möchte lieber nicht« Aufträge aller Art.

    Er wohnt dauerhaft im Büro, wird in die Registratur versetzt und lenkt nicht ein. Die Kanzlei zieht aus und Bartleby verbleibt im Keller. Die verstörende Geschichte geht allerdings blöd aus: der Nachmieter lässt ihn abführen, Bartleby stirbt im Gefängnis.

    Die Interpretationen tun sich hart mit Bartleby. Der freundliche Stoizismus der Verweigerung, der zivile Widerstand führt zum Tode. Wir wissen nicht, ob wir die Zielstrebigkeit und Standhaftigkeit bewundern dürfen.

  • Arbeitet euch an Lohhausen ab, ihr KIs

    Ob die KI-en schon in Dietrich Dörners Lohhausen-Simulation geschickt wurden? Das ist die Simulation einer kleinen Stadt, die von 1975 bis 1983 an der Uni Bamberg denkpsychologisches Neuland öffnete. Personen wurden Bürgermeister·innen mit fast diktatorischen Möglichkeiten und sollten das Wohl der fiktiven Gemeinde befördern. Eine richtige Lösung für das Durcheinander an Optionen gab es nicht da, wie im richtigen Leben, jede Entscheidung auch Nebenfolgen hatte. Die Qualität des Regierens wurde (auch wie im richtigen Leben) nicht vom IQ sondern von ganz anderen Faktoren bestimmt. Daran sollten sich Künstliche Intelligenzen sich messen, nicht an Zusammenfassungen.

  • »Es mangelt uns nicht an Kommunikation, im Gegenteil, wir haben zu viel davon. Es fehlt uns an schöpferischer Kraft.«

    »Es mangelt uns nicht an Kommunikation, im Gegenteil, wir haben zu viel davon. Es fehlt uns an schöpferischer Kraft.«

    Zitat aus einem Ausstellungstext der Kolumba, Köln im Juli 2025 (leider nicht detaillierter, wurde mit einem Foto ‘gecaptured’)
  • ‘dementia-addled chaos-monkey’

    ‘dementia-addled chaos-monkey’


    ‘This past week, the 79-year-old president announced he’s ended six wars (some that have been going on for centuries), asserted that windmills drive whales insane, called for Beyoncé to be prosecuted, claimed Obama committed treason and complained a convicted pedophile “stole” teenage girls from him…

    Kevin M. Kruse, July 31, 2025 at 5:44 AM

  • verantwortlich sein kann der Schraubensack nicht

    Ein slide von IBM 1979 "A COMPUTER CAN NEVER BE HELD ACCOUNTABLE

THEREFORE A COMPUTER MUST NEVER MAKE A MANAGEMENT DECISION"

    Ein slide einer IBM-Abteilung von 1979 mit dem Text “Ein Computer kann niemals zur Rechenschaft gezogen werden — daher darf ein Computer niemals eine Managemententscheidung treffen”. via Ben Werdmuller, 5.6.24 · Die Einschränkung auf Managemententscheidungen ist drollig. Aber ey, 1979! — das ist 46 Jahre her. (Sieht eher nicht aus wie ein slide sondern wie ein Ausdruck. Es scheint die Rückseite durch.)

  • Abonniere Areopagus

    Abonniere Areopagus

    Ein mitteljunger Mann, Kunstgeschichtler und überaus belesen bietet ein so erstklassiges wie unregelmässiges Newsletter an:

    Each volume includes seven short lessons:

    Classical Music
    Historical Figure
    Art
    Architecture
    Rhetoric
    Writing
    The Seventh Plinth (a miscellaneous final part…)

    Jede Ausgabe mit Querverbindungen und Perspektiven ist so breit und tief wie eine kleine Enzyklopädie. Empfehlung!

  • Yttriumtitanlanthancerneodymsamariumgadoliniumdysprosiumeuropiumhafniumoxid

    AEROGELE: Elastischer Keramikschaum ist leichter als Luft – Spektrum

  • ach weisst Du, LinkedIn …

    ach weisst Du, LinkedIn …

    Congratulations on your 20th Linkedin anniversary! Celebrate this milestone by sharing a post of your key insights from past year.

    Ziemlich sicher werde ich genau das nicht machen: meine key insights des letzten Jahres ‘teilen’. Da hätte der Spaß ein Loch. Voran, voran und nimmer zurück!

  • Hat niemand kommen sehen

    (Dieser Text entstand im März 2020, während des ersten Lockdown. Leider ist er auch kurz vor Dezember 2021 noch immer wahr.)

    ((edit2: und auch noch wahr im November 2022))

    (((edit3: und auch im Juli 2025 mit einer leer drehenden orangen Handpuppe)))

    Fehlleistungen sind in uns allen fest verdrahtet: wir malen uns aus, wie toll und wunderbar etwas werden wird. Dann passiert etwas ganz anderes. Wir malen weiter. Ich lese schon länger an einem eher dicken Buch. Es ist überaus lohnenswert: »Never saw it coming«1 handelt unter anderem von einer kognitiven Fehlleistung: wir überhöhen die guten Zukünfte und pflegen für die schlechten keine Vorstellung. Diese Asymetrie ist durchgängig und kulturabhängig, zutiefst menschlich also, ubiquitär und demokratisch. Wie dieses dumme Virus. Das Virus ist basisdemokratisch: niemand kann ihm aus nur weil er größer, grüner, reicher oder von wo anders ist. Ebenso demokratisch und gleich verteilt ist die kognitive Asymetrie, sich die Dinge schön zu flunkern.

    »Es wird so schlimm schon nicht werden.« ist als kognitive Fehlleistung in uns allen fest verdrahtet: wir malen uns aus, wie toll und wunderbar etwas werden wird und sind blank für das Gegenteil. Davon handelt das Buch. Die Flut in New Orleans, eine Gummidichtung am Space Shuttle oder ein Flugschüler, der lernen will eine Boeing in ein Hochhaus zu zielen … und keinem fällt es auf. Hunderte weitere beschämende Beispiele. Es ist ja nicht so, dass die WHO und Epidemiologen nicht seit Jahren warnten, dass rein statistisch eine Pandemie überfällig ist. Wen juckt die Statistik, wir wollen es nicht hören. Nun ist es da. Einige wenige Spezialisten im Zivilschutz oder beim Militär können ihre rosa Brille ablegen. Doch auch die sind auf dem privaten Auge blind wie wir alle. Verlieben sich, heiraten, gehen mit allem in Beziehungen um dann irgendwann und vielleicht zu sehen, dass es doch nichts fürs ganze Leben war. Wer überlegt schon die Trennung, wenn das Zusammenkommen ganz wunderbar ist. Niemand macht das, durchdrehen würden wir. 

    Es geschehen Emergenz und Komplexität: aus einer unbekannten Anzahl Randbedingungen entwickeln sich Situationen, für die es keine good practice gibt, keinen Masterplan und niemanden, der einem aus Erfahrung raten könnte, was das beste Vorgehen und die wirksamsten Massnahmen sind. Weil noch niemand so etwas erlebt hat. Keine noch so spezielle  Unternehmensberatung, kein Think Tank und kein Guru. Vor dem Virus, das dargestellt wird wie eine Seemine sind wir alle gleich.

    Die sonst eher unsichtbaren Mathematiker sind nun die Stars. Recht und richtig so. Deren Modelle müssen vereinfachen um berechenbar zu sein, Parameter stark vereinfachen und kategorische Annahmen treffen. Daher kann es kein Modell geben, das die unbekannte Anzahl Randbedingungen für eine ganze Gesellschaft abbildet. Oder für mehrere Nachbargesellschaften oder gleich die ganze Welt.  Wir blicken über die richtig geschlossenen Grenzen — überlastete Krankenhäuser in Italien, um Luft ringende Patienten auf spanischen Hospitalfluren — und wollen gar nicht daran denken, was geschieht, wenn das Virus sich ebenso rasend über Afrika ausbreiten wird.  Was dann geschieht, wenn Menschen nicht nur vor Krieg und Not weg sondern zu medizinischer Hilfe hinfliehen. Zu uns, die wir diese Kompetenzen haben könnten aber sie kaputtgespart haben, die wir zwar Hüften und Knie im Dutzend sanieren aber auf asymmetrische Katastrophen nicht vorbereitet sind.

    Wenn alles vorbei sein wird™, dann werden Ärzte, Pfleger, Altenbetreuer, Lehrer und Erzieher fairen Lohn erhalten. Werden sie doch?

    Dann wird — nein — weit zuvor wird einer kollektiv bedrohten Gesellschaft hoffentlich auffallen, dass das konzertierte Spekulieren von Finanzverbrechern auf einen Zusammenbruch nicht systemkritisch ist sondern kriminell. Weshalb nicht den Börsenhandel aussetzen? Weshalb nicht asoziale Trader blockieren? Ich bin kein Ökonom, ich weiss es nicht.

    Es werden nun liminale Zustände entstehen, die wir uns nicht weiter vorstellen können werden, für die wir keine Methode und Vorstellungskraft haben um allein diesen einen Zustand, geschweige denn seine Auswirkungen auf unsere rosa Zukünfte zu imaginieren.Im Begriff der Vorstellung steckt schon viel: da stellt sich etwas vor die Wahrnehmung. Noch sind wir im Rosa-Modus, ‘so schlimm wird es nicht werden‘ — doch wer weiss das schon?

    Was gerade geschieht, ist also ein Flug auf Sicht in tief liegender Wolkendecke. Das hat kein Politiker je erlebt, kein Kommentator, kein Experte für irgendetwas. Ein Volk von Bundestrainern sattelt um auf Virologen. Könnt Ihr bitte allesamt aufhören zu spekulieren? Bitte.

    Also ist das Einzige, das rational geschehen kann: Beobachten, orientieren, entscheiden und handeln. Schnelle Experimente und Prüfschleifen. Die, die wir gewählt haben uns zu führen, müssen im Nebel eine Richtung finden. Und die, die das machen müssen, sind genau die Richtigen. Was es bei aller Unsicherheit ganz sicher geben wird, ist ein Innovationsschub, Wenn alles vorbei sein wird™: Fernlernen, VPNs und working-from-home als default. Adieu Stechuhr — weil es noch nie Sinn machte und es jetzt jeder auch gemerkt haben wird. Selbstorganisation von Menschen, die vom umgebenden System keine oder keine hilfreiche Unterstützung und Handlungsfreiheiten erhalten um einfach nur ihren Job zu machen.

    * * *


    1. Cerulo, K. A. (2006). Never saw it coming: Cultural challenges to envisioning the worst. University of Chicago Press. 978–0–226–10032–6 und 978–0–226–10033–3 ↩︎