Zombies löschen!

Ich habe entdeckt, dass es bei LinkedIn einfach möglich ist, Personen zu löschen. Das war zuerst gar nicht so einfach weil das UI so grausig schlecht ist. Dann ging es leicht. In mehrerlei Hinsicht ist das eine angenehm lohnende Tätigkeit. Es werden Anlässe weniger, sich über ungefragte Äusserungen in einem ohnehin schon slop-verseuchten feed zu ärgern, über die zu ärgern an sich schon ärgerlich ist, also ÄrgerÄrger. Wenn man bei Sinnen bleiben will, dann soll der Groll einfach weiterziehen wie man beim Meditieren erlernt, an herbeiströmende Gedanken ein Label zu hängen und sie leichterdings gehen zu lassen. Mit der erdrückenden Mehrheit der Personen besteht zudem keinerlei Beziehung im Sinne von: man interessiert sich füreinander, erfragt sporadisch wie es der anderen Person geht, was sie macht oder unterlässt oder wie sie in die Welt hineinschaut und was für sie bedeutsam ist oder irrelevant. Bei weniger als zehn Prozent dieser Zombies kann ich herleiten, wie und wann, in welcher Lebensphase, in welchem vielleicht doch bedeutsamen Kontext es zu einem Kontakt, dem Austausch von Meinungen oder Informationen kam. Oder ob es asymetrische Kommunikationsanbahnungen waren (Personen kennen einander nicht, sind von LinkedIn dennoch irgendwie anlasslos verbandelt). Oder ob überhaupt jemals Kommunikation geschah. Diese Personen sind also Phantome, Geister! Weshalb Aufmerksamkeit auf Zombies verwenden? Das geschieht ja nur weil LinkedIn meint, man sei an den kontextlosen Äusserungen Unbekannter interessiert und das sei dann social. Ist es aber nicht. Es ist nicht einmal para- oder pseudosozial sondern Verschwendung von Bewusstsein. Das Löschen macht Freude! Auch, weil man den ‘Kontakt’ auch komplett löschen kann. Eine völlig rückstandsfreie, willentliche Klickamnesie. Nach ein paar Dutzend eliminierter Zombies presst der Algorithmus immer neuen suggestions in den slop stream. Blöd wird man sein, diese Neozombies zu klicken.