Auf LinkedIn, wo angeblich die meisten Posts von AI verfasst sind, werden zu Monatsenden regelmässig ‘neue Kapitel’ aufgeschlagen, erfüllende Zusammenarbeiten belobigt und grossartige Lernreisen testiert. Tatsächlich sind das meist sublim weinerliche Abschiedspostkarten von Personen, die mit oder ohne Abfindung mehr oder weniger gekündigt wurden. Die Organisation entledigte sich eines Mitgliedes, das darf sie. Das muss sie sogar, wenn keine probateren Mittel bleiben. Die Abschiedsgrüße sind also mitnichten adressiert an die Verbleibenden Ex-Kollegen sondern an die unbekannt neue Organisation, an das nächste Unternehmen, dass die Geschassten aufnehmen wird. Die Nennung ausgewählter LinkedIn-handles benennt natürlich nicht nur die Gemeinten sondern gibt dem Algorithmus Grund für Verbreitung. Weshalb also macht man das, anstatt als nun frühpensionierter thought leader still und aufrecht mit dem Karton persönlicher Gegenstände im Arm das Gelände zu verlassen? Um digitale Spuren zu hinterlassen und eine ‘Reise’ zu stipulieren. Auf Reisen kann einiges schief gehen, klar. Bei den meisten Reisen weiss man hingegen ganz genau, wohin es gehen soll. Bei der beruflichen angeblich auch. Doch das ist ebenso verlogen wie die zugrunde liegende Lebenslüge, man könne Leben wie Arbeitsbiografien planen oder Unternehmen hätten ein familiengleiches ‘wir’. Das haben nur die Zurückbleibenden.
