Rituale und Cargo Cults

Cargo Cults sind rituelle Glaubenssysteme, in denen Handlungen ohne beobachtbare Wirkung ausgeführt werden.

Rituale sind eine Sozialtechnologie — so alt wie die Menschheit. Sie geben Sicherheit, wenn Stress und Unsicherheit zunimmt. Rituale gibt es in Kirchen, Sportstadien, bei Demonstrationen oder in Organisationen. Koordinierte symbolische Handlungen helfen Zugehörigkeit zu finden und Ängste zu dämpfen. Viele dieser Rituale sind uns rational bewusst und dennoch folgen wir ihnen.

Christopherus-Plaketten im Auto schützen vor Gefahren im Verkehr.

Kinder glauben, dass der Geburtstag der Grund für das Älterwerden ist.

Während des Zweiten Weltkriegs benutzte die US-Armee einige entlegene Inseln in Melanesien als Militärbasen. Sie rodete den Dschungel, legte Landepisten an und baute Unterkünfte. Dabei zerstörte sie oft Felder und Wälder für die traditionelle Lebensmittelproduktion. Dann wurden diese Inseln aus der Luft versorgt. Als die Armee nach Kriegsende abzog und kein cargo mehr abgeworfen oder angelandet wurde, verstanden die Menschen den Grund dafür nicht. Sie schnitzten Kopfhörer aus Holz, imitierten Lotsen im Tower, entzündeten Leuchtfeuer und bauten Flugzeuge aus Bambus und Blättern. Sie hofften so, die begehrten Versorgungskisten wieder anzulocken. Ethnologen bezeichnen dieses Sozialverhalten als cargo cult.

Die Melanesier installierten Flugzeugattrappen in der Hoffnung, so auch die Waren wiederkehren zu lassen.

Planungen in Unternehmen folgen häufig auch Ritualen ohne dass der reale Nutzen oder die Wirkform offensichtlich wäre.

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Xygalatas, Dimitris. „What Cargo Cult Rituals Reveal About Human Nature“. SAPIENS, 20. Oktober 2022. URL

Fotos sind entnommen und bearbeitet aus dem genannten Artikel. Das etwas unscharfe Bild des nachgebauten Flugzeuges ist von Sam Shaibu. „Don’t Be A Cargo Cult Innovation Hub: Measuring Results and Impact as an Innovation Hub“. VPlatformHub (blog), 28.5.2019. URL.