Tag: Change

  • Simulieren wir uns!

    Seit mehr als vierzig Jahren wird versucht, realistische Modelle für menschliches Verhalten zu erschaffen. Jede Menge Zeit, Leid und Irrwege könnten wir vermeiden und viel lernen, würden wir unsere Interaktionen mit Hilfe von AI-Agenten modellieren.

    Wir könnten Kunden simulieren, gute wie schlechte Führung, introvertierte Einzel- wie Gruppenarbeit und die am Besten wirksamen Mischungen umsetzen statt an uns selbst zu experimentieren. Dass das heute recht verlässlich möglich ist, lassen zwei Arbeiten einer Forschergruppe erahnen.1 2 Die Einstellungen und Verhaltensweisen von 1052 Personen wurden in generativen Agenten abgebildet. Diese wurden zuvor mit Sprachmodellen aus qualitativen Interviews, demografischen und ethnischen Daten, Persönlichkeitstests und Logikspielen gefüttert. Das gelang offenbar überraschend gut: die Agenten waren mit 85% Übereinstimmung in der re-test Genauigkeit3 vergleichbar gut wie die lebendigen Personen. In einer an ‘The Sims’ erinnernden Klötzchenwelt-Umgebung4 interagierten die sozialen Agenten dann wie man es von ihrer wetware5 erwarten würde. Im Ergebnis sei das wie … »eine Reihe kleiner ‘Ichs’, die herumlaufen und tatsächlich die Entscheidungen treffen, die Sie getroffen hätten« … sagt Joon Sung Park, einer der Autoren. Die Simulanten kommunizieren in Sprechblasen miteinander, planen ihren Tag, tauschen Nachrichten aus, bilden Beziehungen und koordinieren gemeinsame Aktivitäten.

    Das LLM6 speichert für jeden Agenten in natürlicher Sprache dessen Erfahrungen und synthetisiert daraus Erinnerungen oder abstrahierte Reflektionen um aus der Summe weiteres Verhalten zu planen. In der beschriebenen Sandbox werden wie bei ‘The Sims’ 25 Charaktere gleichzeitig dargestellt — doch scheinen diese glaubwürdiges emergentes7 Sozialverhalten. Wenn etwa eine Agentenperson eine Valentinsparty ausrichten will, laden andere autonom dazu ein oder koordinieren sich um gemeinsam zur Party zu kommen.

    “Na und?” könnte man nun raunzen und zurück zur Kostenstelle der ebenso realen Klötzchenwelt in Powerpoint schwenken — doch denken wir das nur eine kleine Umdrehung weiter. Wir haben es ja nicht mit Science Fiction zu tun sondern nur mit Science: wenn KI-getriebene Agenten sich so realistisch verhalten wie wir selbst es würden, dann könnten wir daraus viel lernen für Veränderungen in Sozialsystemen wie Unternehmen. Wie etwa Boni oder Anreizsysteme wirken oder welche unerwarteten Konsequenzen hastige Organisationsveränderungen haben. Würden soziale Agenten etwa ein ganzes Unternehmen oder wenigstens ihre Alphapersonen und deren Führungsspanne abbilden, dann könnten teure, riskante, schwer durchzuführende oder verdachtsweise unethische Organisationsänderungen vor ihrer Umsetzung einmal mit deren Sims durchgespielt werden. Das wäre dann eine open-end Simulation weil man ja nie genau weiss, was bei grösseren Sozialinterventionen geschieht. Ist das Ergebnis dann erstrebenswert? Dann machen. Klappt nicht gut? Dann besser neue Fehler machen. Das alles würde sicherlich auch im high-speed mode funktionieren. Dann könnte man etwa SAFe bis ins letzte level zu Ende spielen. Oder sehen, wozu eine komplett in Prozessen durchorchestrierte Organisation führt. Dann müsste man weniger glauben und würde mehr wissen.

    Das wäre doch toll! 

     * * *


    1. Park, Joon Sung, Carolyn Q. Zou, Aaron Shaw, Benjamin Mako Hill, Carrie Cai, Meredith Ringel Morris, Robb Willer, Percy Liang, und Michael S. Bernstein. 2024. „Generative Agent Simulations of 1,000 People“. arXiv. DOI. ↩︎
    2. Park, Joon Sung, Joseph C. O’Brien, Carrie J. Cai, Meredith Ringel Morris, Percy Liang, und Michael S. Bernstein. 2023. „Generative Agents: Interactive Simulacra of Human Behavior“. In The 36th Annual ACM Symposium on User Interface Software and Technology (UIST ’23), October 29-November 1, 2023, San Francisco, CA, USA. ACM, New York, NY, USA, 22 pages. DOI ↩︎
    3. Im re-test wird gemessen, ob die Werte derselben Person bei einer Wiederholung des gleichen Tests auch gleiche Ergebnisse erbringen. Bei recht stabilen Eigenschaften wie Haltungen oder Persönlichkeitsfacetten wird das erwartet. ↩︎
    4. siehe https://reverie.herokuapp.com/UIST_Demo/ ↩︎
    5. … das wären dann wir Menschen; Software ist Code, Hardware sind unbelebte Maschinen. ↩︎
    6. LLM, large language model – quasi die ‘Hirnmasse’ oder das repository der Agenten ↩︎
    7. emergentes Verhalten ist, wenn etwas zuvor nicht beschriebenes, ge-scriptetes in Interaktion mit der Umwelt geschieht. ↩︎
  • Was ist dran an beliebten Glaubenssätzen des Change Management?

    Was ist frommer Glauben, was belegt? Wie filtert man aus einer Flut populäre Statements zu change’, Wandel’, ‘Veränderung’, was tatsächlich wahr und belegt ist? Scheitert tatsächlich ein Dreiviertel aller Change-Initiativen? Schon dieser satten Behauptung fehlt das Fundament.1 2 Die wenigen empirischen Untersuchungen kranken an lauen Begriffsdefinitionen, der Eingrenzung des Sachgebietes und methodischen Schwächen. Wenigstens der Ursprung der kolportierten ‘siebzig Prozent’ ist halbwegs klar und stammt aus einem anderen Kontext als die Verallgemeinerung zu alle Change-Initiativen. Hammer & Champy3 gaben 1994 diese 70%-Fehlrate als ihre subjektive Einschätzung für ‘Reengineering-Vorhaben’ an.4 Auch ein Widerruf half nicht:

    »Unfortunately, this simple descriptive observation has been widely misrepresented and transmogrified and distorted into a normative statement (…)« — Hammer & Stanton, 19955

    Falsche Informationen werden durch Wiederholung weder richtiger noch verschwinden sie freiwillig. Die Missinterpretation einer subjektiven Einschätzung wurde durch wiederholt ungeprüfte Zitate zu einer universellen Wahrheit. Das ist der Kern der Brandolini-Asymetrie: der Energieaufwand um Blödsinn zu entlarven ist eine Größenordnung mehr als es zur Produktion braucht.

    Evidenz ist ein scheues Reh. ​In der evidenzbasierten Wirkungsprüfung medizinischer Interventionen gibt es das Cochrane-Verfahren6. Zu einer Indikation oder Therapie ergibt dies einen umfassenden Überblick über Forschungsergebnisse und Metaanalysen randomisiert kontrollierter klinischen Studien, dem Goldstandard wissenschaftlicher Arbeit zu einem Zeitpunkt. Das kann sich ändern, wenn neue Daten veröffentlicht werden. Die Ergebnisse fliessen in Leitlinien zur Behandlung zusammen. Für die Sozial-, Management- und Organisationsforschung sind harte Evidenzen schwieriger zu erbringen: Interventionen in sich ständig verändernden sozialen Systeme wie Unternehmen es sind, widersetzen sich kontrollierter Randomisierung. Sozialforscher verwenden andere Methoden7 weil es für Management- und Organisationsmethoden kann kein Cochrane-Verfahren geben kann. Das nicht-kommerzielle ’Center for Evidence-Based Management’ (CEBM)8 versucht Annäherungen an die methodisch saubere Prüfung von Managementmoden. Am nächsten kommt die aufwändige Methode eines Rapid Evidence Assessments (REA).9 Bei dieser ‘schnellen Beweisaufnahme’ werden wissenschaftliche Beiträge objektiv und reproduzierbar gefiltert um nach einer gründlichen Bewertung des Inhaltes Rückschlüsse auf ursächliche Wirkungen ziehen zu können. Anders als eine Literaturübersicht ist ein REA transparent, überprüfbar, reproduzierbar und eliminiert strukturelle Denkfehler (nach Bestätigung der eigenen Sicht suchen, gegenläufige Ergebnisse ignorieren und viele Dutzende weitere biases). Als Daten fliessen Informationen, Fakten und ebenso nicht-systematische Praxiserfahrungen aus publizierter und unabhängig prüfbarer wissenschaftlich durchgeführter Forschung ein. Diese Daten können eine Behauptung, Annahme oder Hypothese unterstützen oder eben widerlegen. Ziel einer REA ist es, quantitativ und qualitativ bewertbar zu machen, ob eine Erkenntnis generalisierbar ist oder nur unter spezifischen Randbedingungen gilt.  Das Verfahren ist aufwändig und zeitintensiv und alles andere als rapid: in zwölf standardisierten Schritten10 werden systematisch Primärstudien in 5 Güteklassen von A+ bis D qualifiziert. A+ wäre ein systematischer Review mit einer Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien, D wäre eine Querschnittstudie mit geringster Verallgemeinerung. Alleinstehende Fallstudien werden aussortiert.

    Ergebnis einer REA ist eine nachvollziehbar ausgewogene Bewertung dessen, was in der wissenschaftlichen Literatur über eine Intervention, einen Anspruch oder ein praktisches Problem zu einem Zeitpunkt bekannt ist. Ändert sich die Datenlage, dann kann sich auch die Bewertung ändern.

    Fact or Fake? Was ist haltbar an beliebten Glaubenssätzen zu ‘Veränderung’, welche Aussagen haben schwache Grundlagen?

    Diesen mühsamen Weg einer Faktenprüfung für populäre Aussagen im ‘Change Management’ gingen 2017 mehrere Autoren.11 Als Datengrundlage wurden 563 populäre Genre-Bücher nach ihrem Amazon-Verkaufsrang ausgewählt. Aussortiert wurden mangels interner Validität one-trick-ponies und Bücher, in denen prominente Management-Gurus ihre Meinung ausbreiten, doch Daten schuldig bleiben. Die verbleibenden 23 Büchern hatten drei Eigenschaften gemeinsam, sie …

    • konzentrieren sich darauf, wie man Organisationen verändert und nicht, was zu verändern ist, 
    • beziehen eine fundierte Position und sind keine überblicksartige Handbücher,
    • bieten Anleitungen und Rat für Praktiker

    Dieser erstaunlich kleine Rest ist, was Praktikerinnen brauchen: Wirksame Interventionen, die in Veränderungssituationen zuverlässig wirken sollten. Aus den verbleibenden, nur mehr 23 ‘Change Management’-Büchern wurden 18 Aussagen kondensiert, ein Ausschnitt:

    Menschen ändern sich nicht, wenn es keine Dringlichkeit (sense of urgency nach Kotter) gibt.

    In Änderungszuständen ist ein transformativer Führungsstil effektiver als ein transaktionaler.12

    Veränderungen in Unternehmen braucht Führungsrollen mit starker emotionaler Intelligenz.13

    Die Unternehmenskultur hat einen Effekt auf die (ökonomische) Unternehmensleistung.

    Welche dieser achtzehn populären Aussagen sind evident und mit solider Forschung unterlegt, welche nicht?

    Aussageeher wahrunsichereher falsch
    1. Siebzig Prozent aller Veränderungsinitiativen scheitern.keine Evidenz
    2. Eine klare Vision ist für einen erfolgreichen Wandel unerlässlich.klare Belege
    3. Menschen werden sich nicht verändern, wenn kein Gefühl der Dringlichkeit besteht.keine Evidenz
    4. Für erfolgreichen Wandel ist Vertrauen in die Führung erforderlich.kleine bis mittlere positive Effekte
    5. Bei der Bewältigung des Wandels ist ein transformationaler Führungsstil effektiver als ein transaktionaler.12sowohl transaktional wie transformative Führung hat nur kleinen Einfluss
    6. Organisatorischer Wandel erfordert Führungskräfte mit ausgeprägter emotionaler Intelligenz 13.
    7. Die Unterstützung durch Vorgesetzte ist entscheidend für den Erfolg des Wandels.
    8. Um den Wandel in Organisationen zu verwirklichen, ist eine starke Führungskoalition erforderlich.Schwache Effekte, uneinheitlich: Vertrauen scheint ein wirksamer Prädiktor
    9. Die Fähigkeit der Mitarbeiter zur Veränderung bestimmt die Fähigkeit der Organisation zur Veränderung.kaum Untersuchungen, definitorisch unsicher
    10. Partizipation ist der Schlüssel zum erfolgreichen Wandel.uneinheitliche, eher kleinere Effektstärken
    11. Widerstand gegen den Wandel ist dem Erfolg des Wandels abträglich.kaum valide Daten, eher keine Evidenz
    12. Ein fairer Veränderungsprozess ist wichtig, um erfolgreiche Veränderungen zu erreichen.fairer Prozess hat mittleren bis großen positiven Einfluss (level A).
    13. Die Veränderung der Organisationskultur ist zeitaufwändig und schwierig.bei 150+ Definitionen von ‘Organisationskultur’ sind Studien nicht mehr sinnvoll vergleichbar
    14. Die Organisationskultur hängt mit der Leistung zusammen.(wie 13)
    15. Die Festlegung von Zielen in Verbindung mit Feedback ist ein wirksames Instrument für Führungskräfte im Wandel.konsistente Effekte auf hohem Niveau (level A)
    16. Das Engagement für den Wandel ist ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Veränderungsinitiative.bestätigt auf mittlerem Niveau
    17. Finanzielle Anreize sind ein wirksames Mittel, um Veränderungen zu fördern und die Leistung zu verbessern.bestätigt auf mittlerem Niveau
    18. Selbstverwaltete Teams erzielen bessere Ergebnisse bei der Umsetzung von Veränderungen als traditionell verwaltete Teams.moderat positive Effekte – nicht generalisierbar

    Zwei dieser 18 Aussagen herausgegriffen:

    »Menschen werden sich nicht verändern, wenn kein Gefühl der Dringlichkeit besteht.« — Kotter, Leading Change, 1996

    Als universelle Aussage ist Kotter’s signature quote des sense of urgency nicht haltbar, nicht durch Daten fundiert. Schwache Hinweise gibt es wohl, doch nicht als Eingangsbedingung: es muss nicht zuerst die Hütte brennen damit etwas geschieht. Zeitlicher Druck oder Zeitknappheit hat einen positiven Einfluss auf kooperatives Verhalten in Entscheidungssituationen und wirkt unter experimentellen Bedingungen leistungssteigernd (level A). Angst hingegen befördert kurzfristiges Denken und Handeln — was bei nachhaltigen Veränderungen in Unternehmen kaum ein sinnvolles Ziel sein kann. Eine wahrgenommene Bedrohung ist nur dann auch individuell wirksam, wenn die Selbstwirksamkeit einer Person ebenfalls hoch ist.14 Oder: bin ich willens und fähig meine eigene Situation zu ändern — dann aktiviert eine wahrgenommene Bedrohung. Sonst nicht. Das hört sich zu Recht an wie die ‘gelernte Hilflosigkeit’, mit der Martin Seligman sich wissenschaftliche Sporen verdiente, ehe er in die Positive Psychologie abdriftete.

    Auch Selbstorganisation muss nicht besser im Sinne von effizienter sein als organisiert-werden. »Self-managing teams perform better in realizing change than traditionally managed teams.« ist Kern und Glaubensbekenntnis der Aglisten. »… lass’ die Leute machen, räume Hindernisse aus dem Weg, vertraue und sorge für gute Umgebungsbedingungen — dann wird alles besser.«. Ist das so? Die validen Untersuchungen dazu bringen vage Ergebnisse. Es gibt wohl Belege für spezifische Arbeits- und damit Sozialsituationen, in denen sich selbst organisierende Gruppen oder Teams bessere Leistungen bringen:

    »(…) the positive effect on performance is greatest for self-managing teams dealing with high-tech novelty and radical innovation« — Patanakul & Lynn (2012)15

    Die Verallgemeinerung zu ‘Selbstorganisation ist immer besser als organisiert werden’ ist nicht haltbar: auf den Kontext kommt es an. In Situationen radikaler Innovation mit brandneuen Technologien ist Selbstorganisation belegt besser als direktiv organisiert werden.

    Scheitern nun 70% aller Change-Initiativen? Niemand kann eine wahre Antwort geben, die Datenlage ist dürftig. Für die Unternehmenspraxis wäre schon nützlich zu wissen, welche Interventionen oder Praktiken in welcher Art Situationen zuverlässig erwünschten Verhaltensänderungen führen. So lange das der Fall nicht ist: Selber denken hilft — und freundlich skeptisch bleiben.

    * * *


    1. Hughes, M. (2011). Do 70 Per Cent of All Organizational Change Initiatives Really Fail? Journal of Change Management, 11(4), 451–464. DOI ↩︎
    2. Cândido, C. J. F., & Santos, P. (2015). Strategy implementation: What is the failure rate? Journal of Management & Organization, 21(2), 237–262. und Slater, R. (2015). Leadership genius: 40 insights from the science of leading. Abingdon, UK: Teach Yourself. ↩︎
    3. Hammer, M., & Champy, J. (1994). Reengineering the Corporation: A Manifesto for Business Revolution (Bd. 10). DOI ↩︎
    4. Zum Verständnis muss man wissen: ’Reengineering’ ist ein Modebegriff der 1990er-Jahre zur Beschreibung damals schicker IT-Restrukturierungen. Heute geschieht das noch immer, hat aber noch viel schickere Bezeichnungen als damals. ↩︎
    5. Hammer & Stanton, 1995, S. 14 in Hammer, Michael, und Steven A. Stanton. Die Reengineering Revolution: Handbuch für die Praxis. Frankfurt: Campus Verl, 1995. — zitiert nach Hughes, M. (2011). Do 70 Per Cent of All Organizational Change Initiatives Really Fail? Journal of Change Management, 11(4), 451–464. DOI ↩︎
    6. Higgins, J., Thomas, J., Chandler, J., Cumpston, M., Li, T., Page, M., & Welch, V. (2021). Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions (v6.2, 2021). Abgerufen 5. April 2021, URL und Wikipedia ↩︎
    7. das Standardwerk ist Petticrew, M., & Roberts, H. (2006). Systematic reviews in the social sciences: A practical guide. Malden, MA: Blackwell. ↩︎
    8. CEBM Website “What Is Evidence-Based Management? – Center for Evidence Based Management. ↩︎
    9. eine von vielen Quellen zu diesem standardisierten Verfahren: Thomas, J., Newman, M., & Oliver, S. (2013). Rapid evidence assessments of research to inform social policy: Taking stock and moving forward. Evidence & Policy: A Journal of Research, Debate and Practice, 9(1), 5–27. DOI ↩︎
    10. Die zwölf Schritte einer REA sind:
      1 Background 2 Definition: what is meant by x 3 Assumed Causal mechanism
      4 Inclusion criteria
      5 Search strategy
      6 Study selection
      7 Data extraction
      8 Critical Appraisal: How Was the Trustworthiness of the Evidence Appraised? methodological appropriateness, quality; Impact = effect sizes
      9 Main findings
      10 Synthesis: What does it mean?
      11 Conclusion: What is the evidence for the assumption?
      12 Practical reflections ↩︎
    11. Have, S. ten, Have, W. ten, Huijsmans, A.-B., & Otto, M. (2017). Reconsidering change management: Applying evidence-based insights in change management practice (First Edition). Routledge, Taylor & Francis Group. 978–1–315–64601–5 ↩︎
    12. Burns, J.M. (1978) Leadership. New York. Harper & Row. und Bass, B. M. (1985). Leadership and performance beyond expectations. New York, NY: The Free Press. ↩︎
    13. entwickelt von Salovey, P., & Mayer, J. D. (1990). Emotional intelligence. Imagination, Cognition and Personality, 9(3), 185–211., popularisiert von Goleman, D. (1995). Emotional intelligence: Why it can matter more than IQ. New York, NY: Bantam Dell; Goleman, D. (2015). On emotional intelligence. Boston, MA: Harvard Business Review Press. ↩︎
    14. Peters, Gjalt-Jorn Ygram, Robert A.C. Ruiter, und Gerjo Kok. „Threatening Communication: A Critical Re-Analysis and a Revised Meta-Analytic Test of Fear Appeal Theory“. Health Psychology Review 7, Nr. sup1 (Mai 2013): S8–31. DOI. In einer umfangreichen Metastudie wurde die Theorie von Rogers weitgehend bestätigt. Drei Faktoren bestimmen die Angstreaktion: die Wahrscheinlichkeit des Auftretens, das Ausmaß der negativen Folgen und die Wirksamkeit der Reaktion. Rogers, Ronald W. „A Protection Motivation Theory of Fear Appeals and Attitude Change1“. The Journal of Psychology 91, Nr. 1 (September 1975): 93–114. DOI. ↩︎
    15. Patanakul, P., Chen, J., & Lynn, G. S. (2012). Autonomous teams and new product development. Journal of Product Innovation Management, 29(5), 734–750. ↩︎
  • Essiggurken, Metronome und Veränderung

    Was und wie mit Veränderungen geschieht, beschreibt ein Glas Essiggurken, Prescott’s Pickle Principle und die Beobachtung gleichgeschalteter Metronome:

    »Du kannst anders sein wie Du magst — Unternehmenskultur holt Dich ein.«

    »Cucumbers get more pickled than brine gets cucumbered.« — Gerald M. Weinberg

    Das Gurkenglas ist die Organisation, die Gurken sind Menschen im Unternehmen. Das Essigwasser ist die Unternehmenskultur. Die Essiggurken-Analogie sagt schon ziemlich alles, was zu change, Wandel und induzierter Veränderung zu wissen ist: das Gurkenwasser ändern — nicht die Gurken.

    »Gurken schmecken eher nach Essig als das Wasser gurkiger wird.« — sehr frei übersetzt nach Gerald M. Weinberg

    Prescott’s Pickle Principle: A small system that tries to change a big system through long and continued contact is more likely to be changed itself. (S. 115)

    Die Menschengurken nehmen nach einiger Zeit und ohne dass sie es aufhalten können, den Geschmack des Gurkenwassers an. Sie werden wie das sie umgebende System Unternehmen und können nichts dagegen machen. Nicht wird die Essigsole gurkiger und nimmt Eigenschaften der (neuen) Menschen an sondern genau umgekehrt: wir assimilieren uns an Umstände, nicht die Umstände an uns.

    Für das System Unternehmen hat der Essig eine konservierende Funktion: es soll bitte alles bleiben wie es ist. Keine Experimente! Keine Änderungen, keine Störungen: wir haben uns im Millieu gut arrangiert.

    Der neue Wind, der neue Besen, der neue Manager schwingt brav und flott im Gleichtakt des Vorhandenen. Das gilt für Berater, Superhelden und alle anderen Gurken gleichermassen.

    Ist nur eine Frage der Zeit.

    Gemeinsam schwingen

    Stimmt nicht? Stimmt wohl. Zufällig tickernde Metronome synchronisieren sich, wenn der Untergrund nur ein klein wenig flexibel ist. Die Analogie funktioniert: gibt das Unternehmen nur ein wenig nach, ändern sich Strukturen, dann schlagen Mitarbeitenden alsbald wieder im Gleichtakt. Das Kuramoto-Modell beschreibt dieses kleine Wunder. Mit so wenigen Metronomen ist Synchronisation keine Kunst? Es geht auch mit vielen und sehr vielen. 

    »Again what learned.«

    Lothar Matthäus zugeschrieben

    Es soll anders werden?

    Das Bild der Essiggurken greift weit. Das Glas können Sie schlecht tauschen — doch die Sole, das Essigwasser ganz leicht: das sind die Strukturen, die Art und Dichte, in der Zusammenarbeit geschieht, wie und was kommuniziert wird. Unternehmen bestehen aus Menschen. Zusammengehalten werden sie durch den Kitt der Sprache. Da zuerst ansetzen ist eine gute Idee. 

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    • Gerry’s Medole. (2016, December 17). 64 Metronomes in Perfect SyncronisationVideo
    • Harvard Natural Sciences Lecture Demonstrations. (2010, August 6). Synchronization of Metronomes. Video
    • The synchronization of 100 metronomes. (2017, January 4). The Kid Should See This. Video
    • Weinberg, M., & Satir, V. (1985). The secrets of consulting: a guide to giving & getting advice successfully (Leanpub edition 2014-07-09). Dorset House Pub. (2020, December 15).
    • This is how organisational culture works. Tweet @joshuajames.