digitalien.org — Stefan Knecht

Mit Debattenregeln leichter diskutieren!

Sich moderieren lassen hilft in hitzigen Debatten. Ich verwende gerne die hier zusammengefassten Regeln.

Moderation ist eine aktiv-vermittelnde Tätigkeit, die Gruppenprozesse und Diskussionen auf ein Ziel leitet.

Ein Moderator hat keine Meinung sondern hilft den Beteiligten innerhalb des gesetzten oder vereinbarten Rahmens Ziele einer Agenda zu erreichen.

Das kann bei strittigen Entscheidungen eine Einigung oder ein Weg zu einem Konsens sein — oder weniger operativ in journalistischen Situationen, ein ausgewogenes Gespräch, bei dem alle gehört werden und ungefähr die gleiche airtime haben, ähnlich viele und intensive Redebeiträge haben.

Moderation geschieht immer katalytisch: der Moderator kanalisiert Diskussion und bleibt auch in hitziger Debatte unbeschadet.

Jede:r macht das anders. Ich mache es mit Hilfe dieser Moderationskarten, die vor der moderierten Debatte mit den Teilnehmenden kurz besprochen und vereinbart werden.

Einige sind mir heilig, andere kann man verhandeln.

 

Vertraulichkeit

Grundbedingung für geschlossene Veranstaltungen in Unternehmen.
Wird zu Beginn definiert und in Stichpunkten verschriftlicht.

Wer (welche Rollen) stehen im Vertrauen, wer nicht?

Bonusfrage: weshalb muss ein Diskurs vertraulich bleiben? Was wäre der maximale Schaden, wenn das hier Gesagte (intern) öffentlich würde?

Neutralität und Allparteilichkeit

Moderator ist unparteiisch und bleibt inhaltlich neutral.
 
Die Aufgabe ist es, alle gleichmäßig zu Wort kommen zu lassen: die stillen Teilnehmer verstärken, die Lauten ein wenig dämpfen.
 
Das kann diffizil sein — darum ist es gut, der Moderator übernimmt diese sozialdynamisch unangenehmere Aufgabe.

Freiwilligkeit

Man kann, muss aber nicht … es gibt keine Anweisungen sondern die Bitte und Einladung um Beteiligung.
 
Es mag Situationen geben, in denen ein nicht-Dabei-sein-wollen eine inhaltliche und keine diskursive Situation ist. Der Moderator erkennt das und manifestiert ein greifbares Problem: es will gelöst sein, bevor es weiiter gehen kann.

Interesse und Wertschätzung

Interesse und Wertschätzung sind die Eingangbedingungen für die Teilnahme an einer moderierten Debatte.

Wertschätzung heisst auch: gerne hart und klar in der Sache doch höflich und wertschätzend im Umgang miteinander.

 

Weshalb sind Sie heute hier (und nicht woanders)?

Beteiligung und Befähigung

Moderation ist nicht ‘Bespassung’ und meint keinen Conferencier, der als Alleinunterhalter durch eine Veranstaltung führt. Das ist etwas anderes.
 
Beteiligung bedeutet, dass die Anwesenden aktiv teilnehmen, Position beziehen und dazu auch in der Lage sind.
 
Befähigung meint, dass — falls die Methoden fehlen — der Moderator diese einführt, so dass die Beteiligten miteinander produktiv diskutieren oder workshoppen können.

Zuhören und Ausreden lassen

Eine Grundtugend und doch schwer einzuhalten.
 
Halten wir es aus, auch denen zuzuhören, die ein wenig länger brauchen um ihre Sicht in Worte zu kleiden?
 
Halten wir Widerspruch aus gegen die eigene, doch so festgefügte Meinung?
 
Der Moderator greift ein, mit Mimik, Gestik und verbal und hilft den Anwesenden so, einander wahrzunehmen.

Experten für Lösungen sind Sie

In den meisten Situationen hat der Moderator fachlich/inhaltlich keinen Schimmer. Das muss er auch nicht — die Aufgabe ist, den Fluß der Diskussion so zu begleiten, dass eine Menge Menschen zu produktiven Ergebnissen gelangen kommen.
 
Für Inhalte und Lösungen sind die Teilnehmenden verantwortlich: sie sind die Experten.
 
Der Moderator ist Experte für Dynamik und Hilfestellungen und den Prozess, in dem debattiert wird.

Moderator macht den Prozess

Der Moderator verantwortet den Gesprächsprozess, setzt Akzente, fasst zusammen und sorgt für eine Taktung auf hohem Energielevel.

Moderator gibt Aussensicht und Feedback

Der Moderator darf die Gruppe spiegeln, seine Aussensicht geben — ganz ausdrücklich sogar: es geht nicht um das WAS sondern um das WIE … wie gehen Menschen auch in vielleicht hitzigen Wortgefechten miteinander um?
 
Kann das Miteinander vielleicht auch versöhnlicher geschehen?

Moderator darf unterbrechen

Der Moderator darf die Gruppe und Einzelne unterbrechen.
 
Das ist ein scharfes Schwert — doch manchmal braucht es das, wenn Gespräche unproduktiv werden, auf der Stelle stehen oder in Zuweisungen abgleiten.

Moderator erstellt Fotoprotokoll

Der Moderator erstellt ein Fotoprotokoll der Ergebnisse (nicht des Verlaufes). Die Verschriftlichung in Text ist nicht die Aufgabe. Wenn es geschieht: um so besser.

Eine Wortmeldung pro Argument

Möglicherweise hilft eine kleine Regel bei der (Selbst-)Disziplin.

 
Die Gruppe kann vereinbaren …
 
  • daß eine Wortmeldung ein Argument umfasst
  • daß eine Wortmeldung 30 Sekunden dauert (und nicht länger)
  • und/oder eine Rednerliste nach Handzeichen geführt wird
 

Alle Argumente auf Karten

Argumente werden vom Moderator (wenn er/sie das nebenbei schafft) auf Karten zusammengefasst: so kurz und knapp wie möglich — doch so ausführlich wie nötig, um auch nach Wochen und als Teilnehmer den Kontext noch zu verstehen.

Widerstand signalisieren

… Gegenargumente können visuell signalisiert werden, mit andersfarbigen Karten oder in dem sie etwa als Raute gesetzt werden.

Das macht es einfacher zu sehen, wie Linien und Fraktionen verlaufen (wenn es die denn gibt).

Wer macht was bis wann?

Wenn es um ein produktives Arbeits-/Projektmeeting geht, dann kann die Grupppe einen Modus dieser Art vereinbaren:
 
Wer macht was mit wem bis wann?
 
Beliebige Varianten sind OK wenn alle einverstanden sind.
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